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Versicherungsschutz und Reiserechte
  • 07.06.2016

Hagel, Sturm und Unwettergefahren: Wissenswertes zum Versicherungsschutz und zu den Rechten der Reisenden

Sturmschaden durch umgestürzten Baum auf ein Wohnhaus

Dunkle Wolken am Horizont, riesige Hagelkörner und Sturm: Das Wetter hat zeitweise viel zu bieten! Neben eindrucksvollen Naturschauspielen manchmal leider auch Wetterkapriolen, die beschädigtes Eigentum oder Beeinträchtigungen im Bahn- und Flugverkehr hinterlassen. Anschließend beginnen meist die „Aufräumarbeiten“, sei es die Beseitigung von Gefahren, die Regulierung von Schäden über Versicherer oder die Durchsetzung von Rechten im Bahn- und Flugverkehr.

Versicherungsschutz im Schadensfall​

Um sich bei Schäden durch Hagel und Sturm, der bei Versicherungen meist erst ab Windstärke 8 als solcher gilt, vor finanziellen Schäden zu schützen, ist der Abschluss einer entsprechenden Versicherung eine wichtige Voraussetzung.
 
Die Wohngebäudeversicherung kann, je nach Umfang und Abschlusskonditionen des jeweiligen Versicherungsschutzes, beispielweise dann einspringen, wenn große Hagelkörner die fest verbauten Rollläden des versicherten Gebäudes beschädigen oder ein Sturm Schäden am Dach verursacht.
Doch Vorsicht, Elementarschäden werden von der Wohngebäudeversicherung im Allgemeinen nicht miterfasst. Elementarschäden werden durch das Wirken der Natur hervorgerufen. Das ist beispielsweise bei Folgen von Überschwemmungen, Schneedruck oder Erdrutschen der Fall. Um auch diese Risiken abzusichern, kann sich der (zusätzliche) Abschluss einer Elementarschadensversicherung anbieten.
 
Möbel oder Haushaltsgeräte, die sich im beschädigten versicherten Gebäude befinden und trotz verschlossener Fenster und Türen beispielsweise durch Sturm oder Hagel beschädigt wurden, können über die Hausratversicherung abgesichert sein. Vorsicht auch hier bei Elementarschäden. Diese werden in der Regel nicht miterfasst, so dass auch hier der (zusätzliche) Abschluss einer Elementarschadensversicherung hilfreich sein kann.
 
Auch beim Anblick des eigenen Autos nach einem heftigen Hagelschauer, wenn etwa das Autoblech rundherum Dellen und Beulen aufweist, stellt sich für Autobesitzerinnen und –besitzer nach dem ersten Schrecken schnell die Frage, wer für den Schaden aufkommt. Werden die Schäden am Auto unmittelbar durch die Einwirkungen von Hagel verursacht, springt in der Regel die Kraftfahrzeug-Teilkaskoversicherung ein. Allerdings sollte beachtet  werden, dass hier oftmals eine Selbstbeteiligung vereinbart wird.
 
Eine Versicherung greift natürlich nur ein, sofern sie rechtzeitig abgeschlossen wurde, den entsprechenden Versicherungsschutz (z. B. Hagel, Feuer oder sogar Elementarschäden) beinhaltet, die Voraussetzungen für einen Versicherungsfall erfüllt sind und keine Ausnahmen vom Versicherungsschutz vorliegen. Deshalb kann es besonders wichtig sein, sich frühzeitig – vor einem Schadensfall – über den benötigten Versicherungsschutz zu informieren, entsprechende Versicherungsverträge abzuschließen, bestehende Verträge zu überprüfen und wenn nötig anzupassen oder neu abzuschließen. Wurde zum Beispiel eine Hausrat-, Wohngebäude- oder Elementarschadensversicherung vor vielen Jahren abgeschlossen und der Versicherte ist zwischenzeitlich in eine größere Wohnung umgezogen, hat angebaut oder viele wertvolle Möbel und/oder Elektrogeräte erworben, sollte der „alte“ Versicherungsschutz überprüft, gegebenenfalls entsprechend angepasst oder durch einen neuen Vertrag ersetzt werden. Auch über vereinbarte Selbstbeteiligungen sollte man sich ausreichend informieren. Darüber hinaus müssen sogenannte Gefahrerhöhungen, wie beispielsweise das Leerstehen des versicherten Gebäudes über einen längeren Zeitraum, dem Versicherer rechtzeitig angezeigt werden.

Die beste Zeit, sich um die Überprüfung und, falls nötig, Anpassung bestehender Versicherungsverträge oder den Abschluss eines gegebenenfalls notwendigen und geeigneten Versicherungsvertrags zu kümmern, ist jetzt! Versäumnisse, die heute entstehen, können morgen im Schadensfall möglicherweise gravierende finanzielle Folgen haben.

Folgende Maßnahmen sollten nach einem Schadensfall vorgenommen werden:

  • Schadensfälle müssen Versicherern unverzüglich und der Wahrheit entsprechend gemeldet werden.
  • Schäden sollten dokumentiert und entsprechende Beweise (z. B. durch Fotoaufnahmen) gesichert werden.
  • Handlungen, die eine spätere Schadensfeststellung durch den Versicherer erschweren oder verhindern (z. B. die Entsorgung des beschädigten Versicherungsguts) sollten unterlassen werden, um einen eventuellen Verlust des Versicherungsschutzes zu verhindern.
  • Reparaturen und Aufräumarbeiten sollten immer erst in Absprache mit dem Versicherer stattfinden.
  • Maßnahmen, die den Schaden so gering wie möglich halten und Gefahrenquellen für weitere Schäden beseitigen, müssen unverzüglich getroffen werden.

Ansprechpartner bei Problemen mit Versicherungsunternehmen

Die von der Landesregierung geförderte Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V. informiert und berät Verbraucherinnen und Verbraucher bei Fragen des privaten Konsums. Allgemeine Informationen sowie Musterbriefe stehen auf der Internetseite der Verbraucherzentrale zur Verfügung. Des Weiteren bietet die Verbraucherzentrale auch eine (kostenpflichtige) individuelle Beratung persönlich, per Telefon oder Email an. Zur
Preisübersicht der Verbraucherzentrale BW.

Bei Meinungsverschiedenheiten mit Versicherungsunternehmen können sich Verbraucherinnen und Verbraucher auch an den „Versicherungsombudsmann“ wenden. Dieser ist eine unabhängige, neutrale und als eingetragener Verein organisierte Schlichtungsstelle. Nähere Informationen hierzu und zu den Voraussetzungen des Verfahrens befinden sich unter:
www.versicherungsombudsmann.de

Rechte im Bahn- und Flugverkehr

Für Bahnreisende gilt:

Ob bei Zugverspätung oder -ausfall, im Bahnverkehr gelten einheitliche Fahrgastrechte und daraus resultierende Entschädigungsregeln. Kommen Bahnreisende verspätet am Zielort an, so muss das Bahnunternehmen bei einer Verspätung ab einer Stunde 25 Prozent, bei einer Verspätung ab zwei Stunden 50 Prozent des Kaufpreises für das Bahnticket an die Reisenden erstatten. Eine Entschädigung bei erheblichen Verspätungen im Bahnverkehr ist auch bei höherer Gewalt, wie dies bei einem Unwetter der Fall sein kann, zu zahlen, entschied der Europäische Gerichtshof mit Urteil vom 26. September 2013 (Aktenzeichen: C-509/11). Generell sollten sich Verbraucherinnen und Verbraucher unmittelbar bei der verspäteten Ankunft am Zielort die tatsächliche Ankunftszeit und die Verspätung von Mitarbeitern des Unternehmens, z. B. von den Zugbegleitern oder zuständigen Mitarbeitern am Bahnhof bestätigen lassen.
Weitere Informationen zu den Fahrgastrechten im Bahnverkehr im Verbraucherportal oder bei
www.fahrgastrechte.info.

Für Flugreisende gilt:

Falls sich der Flieger verspätet oder im schlimmsten Fall gar nicht fliegt und die Fluggesellschaft nachweisen kann, dass die Verspätung oder die Flugstornierung trotz aller Anstrengungen nicht vermeidbar war, wie beispielsweise bei außerordentlich schlechten Wetterbedingungen, muss diese in der Regel keine Ausgleichsleistungen zahlen. Allerdings kann im Rahmen der europäischen Fluggastrechte in einem solchen Fall unter anderem eine kostenlose Betreuung (z. B. mit Getränken, Mahlzeiten oder Telefonaten) zur Verfügung gestellt werden müssen. Dieser Betreuungsanspruch hängt jedoch von der Flugstrecke und Verspätungszeit ab. Dies kann beispielsweise bei europäischen Kurzstreckenflügen bereits ab zwei Stunden Verspätung gelten. Nähere Informationen hierzu, zu weiteren Ansprüchen und zum Vorgehen bei Pauschalreisen finden Sie beim
Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland.

Darüber hinaus kann die Fluggesellschaft bei einer Flugannullierung dazu verpflichtet sein, zumutbare Maßnahmen zu ergreifen, um den Reisenden eine Weiterreise (z. B. durch Umbuchungen) zu ermöglichen. Zur Vermeidung eventueller Nachteile sollte das Vorgehen in einem solchen Fall immer mit der Fluggesellschaft abgesprochen werden.

Ansprechpartner bei Problemen mit Flug- und Bahnunternehmen

Bei Streitigkeiten im Bahnverkehr vermittelt die 2009 gegründete Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) in Berlin www.soep-online.de. Auch für Ansprüche gegen viele deutsche und ausländische Fluggesellschaften, die ab dem 1. November 2013 entstanden sind, erarbeitet die SÖP Schlichtungsempfehlungen. Die SÖP bietet eine genaue Liste aller erfassten Beförderungsunternehmen an. Die Schlichtung ist für Reisende grundsätzlich kostenfrei. Bei Problemen mit Flugunternehmen, die noch nicht der SÖP beigetreten sind, können sich Verbraucherinnen und Verbraucher an die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz wenden. Eine wichtige Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Schlichtung ist, dass die Verbraucherin oder der Verbraucher ihre bzw. seine Ansprüche zuvor erfolglos gegenüber dem Unternehmen geltend gemacht hat.

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