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Roaming mit Smartphone, Tablet & Co.
  • 18.07.2017

Zusätzliche Handygebühren im EU-Ausland entfallen – Vorsicht außerhalb der EU

Hand mit Handy
Mobiltelefon in der Hand

Wegfall der Roaming-Gebühren seit 15. Juni 2017

Zum 15. Juni 2017 wurden die Extra-Gebühren für Roaming abgeschafft und somit an die Tarife im Inland angeglichen. Die Abschaffung der Extra-Aufschläge auf den heimischen Tarif bei Roaming im EU-Ausland werden grundsätzlich ohne zeitliche Begrenzung des Aufenthalts eingeführt. Somit sollten neben Urlaubern auch Beschäftigte, die in einen anderen Mitgliedsstaat pendeln, Reisende auf längeren Geschäftsreisen oder auch Erasmus-Studenten die SIM-Karten ihres Gastlandes wie eine 'Heimatkarte' auf ihren Auslandsreisen benutzen dürfen.

Um eine angemessene Nutzung für die Unternehmen zu garantieren, sollen aber Einschränkungen möglich sein. Wenn die Anbieter einen Missbrauch bzw. eine zweckentfremdete, dauerhafter Nutzung von Roaming-Diensten feststellen, bei der z. B. eine günstigere SIM-Karte in einem anderen EU-Staat gekauft wird, um sie zu Hause zu verwenden, oder wenn bei einem dauerhaften Auslandsaufenthalt der für das Heimatland abgeschlossene Vertrag genutzt wird, dürfen sie Aufschläge berechnen. Nach einem Beobachtungszeitraum von vier Monaten können Anbieter an Nutzerinnen und Nutzer herantreten und darüber informieren. Wird von Nutzerseite innerhalb einer zweiwöchigen Frist keine Klärung der Situation vorgenommen oder bleibt es bei der Roaming-Dauernutzung, so soll der Anbieter geringe Aufschläge auf die Kosten erheben können.

Außerdem sind zum Schutz der Anbieterseite Ausnahmeregelungen vorgesehen, falls eine Kostendeckung beim Roaming nicht möglich sein sollte. Dabei sollen Anbieter auf Nachweis Anträge auf Erhöhung der Tarife stellen können. Wie sich diese Regelungen in der Praxis auswirken, bleibt abzuwarten.

Inhaber von heimischen Flatrate-Tarifen sollten sich sicherheitshalber über die Bedingungen bei der Nutzung im EU-Ausland informieren. In der Regel sollte die unbegrenzte Nutzung von Telefon und SMS auch im EU-Ausland gelten. Beim Daten-Roaming jedoch gibt es spezielle Regelungen. Hier können Anbieter eine Begrenzung der Nutzung vorsehen oder kleine Aufschläge verlangen. Ebenso sollten sich Inhaber einer sogenannten Community-Option erkundigen, ob diese auch im Ausland unverändert gilt oder ob sie einen günstigeren Tarif buchen können.

Neue Tarifmodelle, die auf den Markt kommen, sind nicht immer kundenfreundlich und tragen oft zur Unübersichtlichkeit der Tariflandschaft bei. So sind zum Beispiel Tarife, die ausschließlich für Deutschland gelten und ohne Auslandsnutzung angeboten werden, generell zu hinterfragen. Nach neuen Tarifen Ausschau zu halten oder einen Anbieterwechsel in Betracht zu ziehen kann sich allerdings trotzdem lohnen. Manche Unternehmen bieten für Neukunden oder Vertragsverlängerungen günstige Optionen an. Eine genaue Prüfung der einzelnen Angebote ist dabei Voraussetzung, um sich tariflich nicht zu verschlechtern.

Abgesehen von der Roaming-Regelung können umgekehrt Anrufe aus Deutschland ins (EU-)Ausland nach wie vor in der Regel teuer ausfallen.

Regelungen zum Schutz der Nutzerinnen und Nutzer

Vorsicht außerhalb der EU

Telefonieren, SMS schreiben oder Surfen z. B. aus beliebten Urlaubsländern Nordafrikas oder Asiens, sind nicht von der Regelung betroffen und können höhere Kosten verursachen. Selbst bei manchen europäischen Nicht-EU-Staaten (z. B. Schweiz, Türkei, Monaco, brit. Kanalinseln, San Marino, Andorra) ist es sinnvoll, die Auslandskonditionen des Anbieters zu prüfen. Auch für eine Seereise gelten besondere Bestimmungen.

Beim Daten-Roaming kann schnell eine große Datenmenge und somit hohe Kosten erreicht werden. Daher ist zum Schutz der Nutzerinnen und Nutzer vor teuren Rechnungen eine automatische Unterbrechung des Datenzugangs eingerichtet, wenn die gesetzliche Kostenobergrenze von 50 Euro (plus Mehrwertsteuer in Deutschland: 59,50 Euro) erreicht ist. Um weitersurfen zu können, muss man sich aktiv wieder einwählen. Diese verpflichtende Kostenbremse kann auch ausgeschaltet werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, mit dem Mobilfunkanbieter kostenlos eine andere finanzielle Obergrenze für Datenroamingdienste festzulegen. Statt des Höchstbetrags in Euro kann auch eine Obergrenze für das Datenvolumen, das maximal heruntergeladen werden kann, bestimmt werden.

Diese automatische Unterbrechung erfolgt nur, wenn der eigene Mobilfunk-Anbieter seinen Sitz innerhalb der EU hat. Beim Surfen außerhalb der EU muss der Betreiber des ausländischen Netzes die Daten in Echtzeit an den Mobilfunkanbieter der Verbraucherinnen und Verbraucher übermitteln. Nicht alle Anbieter haben entsprechende Kooperationen vereinbart. Bei Einreise in ein Land, in dem die Kostenbremse nicht funktioniert, muss per SMS entsprechend informiert werden.

Was ist bei einer Seereise bzw. Kreuzfahrt besonders zu beachten?

  • In Küstennähe und in den Häfen gelten für die Nutzung der Mobilfunknetze meist die oben beschriebenen Regeln, solange herkömmliche, landbasierte Netze genutzt werden.
  • Auf hoher See ist in der Regel kein Mobilfunknetz eines Festlandes verfügbar. Hier kann nur über Satellit telefoniert werden und eine Satellitennutzung ist vergleichsweise teuer. Dabei gelten die Regeln der EU für das Roaming und die Kostenobergrenzen nicht.
  • Da die meisten Kreuzfahrtschiffe jedoch eigene Zugangspunkte für Mobilfunk anbieten, können Telefongespräche und Datenverkehr mit dem Handy oder dem Smartphone über das Satellitennetz erfolgen. Die Preise für diese Verbindungen hängen davon ab, von welchem Unternehmen der Satellit und das Netz des Kreuzfahrtschiffes betrieben werden und welche Vereinbarungen zu Roaming-Gebühren mit dem jeweiligen Mobilfunkunternehmen gelten.
  • Vor der Schiffsreise sollten daher die jeweils geltenden Kosten beim Reiseveranstalter und beim eigenen Mobilfunkunternehmen erfragt werden.
  • Alternativen, wie zum Beispiel Skype über die WLAN-Internetverbindung an Bord können günstiger sein, hängen aber auch von der Störungsfreiheit und Leistungsfähigkeit der Verbindung ab. Grundsätzlich aber sollten Schiffsreisende das Daten-Roaming auf ihrem Smartphone vorab deaktivieren, um hohe Rechnungen allein schon durch automatische Updates oder Synchronisieren von Kalender oder E-Mail zu vermeiden.

Tipps zur Kostenersparnis bei der Handynutzung im Urlaub

  • Das Limit von 60 Euro beim Internet-Surfen ist unter Umständen sehr schnell erreicht. Eine unüberlegte Zustimmung zum Weitersurfen kann hohe Kosten verursachen.
  • Am preiswertesten sind Urlaubsgrüße an Daheimgebliebene meist per SMS.
  • Außerhalb der EU, z. B. in den beliebten Urlaubsländern Türkei, Tunesien, Ägypten oder Thailand sind sehr hohe Kosten auch für Telefonate und SMS möglich. Dies kann auch bei Reisen in die Schweiz geschehen. Norwegen, Island und Liechtenstein hingegen behandeln die meisten Anbieter wie EU-Länder.
  • Smartphones u. ä. können sich vom Nutzer unbemerkt ins Internet einwählen, um z. B. ein Software-Update auszuführen, automatisch E-Mails abzurufen oder die Wetterinformationen zu aktualisieren. Dies kann durch rechtzeitiges Ausschalten dieser Funktion bzw. des Gerätes verhindert werden.
  • Generell können Kosten durch rechtzeitiges Abschalten von automatischen Funktionen wie Rufweiterleitung oder durch den Verzicht auf Abhören der Mailbox gespart werden, vor allem in Ländern außerhalb der EU. Denn sonst lauert die gefürchtete Kostenfalle der doppelten Umleitung: Man zahlt zum einen für die Weiterleitung des Gesprächs ins Urlaubsland und dann noch einmal für die Rückleitung auf die deutsche Mailbox.
  • Reiseführer und City-Guides gibt es auch als Apps, die sich unterwegs mit einem Smartphone nutzen lassen. Das Herunterladen vor Reiseantritt spart Roaming-Gebühren, da die Reiseführer nach dem Download in der Regel ohne Internetverbindung, also offline, zur Verfügung stehen.
  • In vielen Hotels, Bars, Restaurants und öffentlichen Einrichtungen stehen WLAN-Hotspots zur Verfügung, mit deren Hilfe preisgünstig, oder sogar kostenfrei, am Urlaubsort im Internet gesurft werden kann. Allerdings muss von der Eingabe von sensiblen persönlichen Daten (wie etwa Online-Banking, Kreditkartennummer) abgeraten werden, da diese leicht ausgespäht werden können.
  • In Grenzgebieten zu Deutschland sollte man darauf achten, sofern möglich, das kostengünstigere, eigene Netz zu wählen.
  • Verbraucherinnen und Verbrauchern wird empfohlen, sich vor der Reise über die jeweiligen Daten-Roaming-Gebühren der Mobilfunk-Anbieter für das entsprechende Urlaubsland zu informieren.

Weitere Informationen

Informationen der Europäischen Union zu Roaming-Tarifen

Durch den Wegfall der Roaming-Gebühren rückt Europa ein Stück zusammen; Pressemitteilung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz vom 14. Juni 2017

Aktuelle Roaming-Regelungen in der Europäischen Union; Informationen der Bundesnetzagentur

Roaming - Mit dem Handy ins Ausland; Aktuelle Informationen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

IT-Sicherheit auf Reisen - Tipps des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur Nutzung mobiler Geräte auf Reisen

Roaming: Telefonieren im Ausland wird billiger – nur nicht für jeden; Artikel zu Untersuchungen von Stiftung Warentest vom 23. Juni 2017

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