Nachhaltiger Konsum - Was steckt dahinter?
Der Ausdruck der „Nachhaltigkeit“ wird vielseitig verwendet und mit verschiedenen Alltagsbereichen verknüpft. Es ist von nachhaltiger Ernährung, Geldanlage, Bekleidung, Technik oder nachhaltiger Gebäudesanierung, nachhaltigem Reisen, digitaler Nachhaltigkeit und vielem mehr die Rede. Doch woher stammt der Begriff der Nachhaltigkeit und was bedeutet nachhaltiger Konsum?
Der Begriff der Nachhaltigkeit
Der im Jahr 2001 von der Bundesregierung einberufene Rat für Nachhaltige Entwicklung beschreibt die Grundidee für Nachhaltigkeit beziehungsweise nachhaltiges Handeln mit folgenden Worten:
"Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben."
Begriffserklärung im Lexikon der Nachhaltigkeit
Dieser Begriff der Nachhaltigkeit ist mittlerweile auch ein Verkaufsargument für Waren und Dienstleistungen geworden. Vorsicht ist deshalb beim Thema Greenwashing geboten: Einige Unternehmen geben ihren Produkten durch geschicktes Marketing ein grünes Image, belegen dieses aber nicht. Das schadet nicht nur dem Kampf gegen den Klimawandel und der Umwelt, sondern auch den Verbraucherinnen und Verbrauchern, denn es besteht die Gefahr der Irreführung. Teils gehen die Verbraucherzentralen der Länder oder deren Bundesverband auch gerichtlich gegen umweltbezogene Aussagen vor. Ein prominentes Beispiel ist die Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands e. V. gegen den Weltfußballverband FIFA wegen Werbeaussagen im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar im Jahr 2022. Das Landgericht Berlin hat der Klage im Oktober 2025 stattgegeben. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig:
Angeblich klimaneutrale Fußball-WM: Verbraucherzentrale gewinnt Klage gegen FIFA
Eine Orientierung, woran man Greenwashing erkennen kann, bietet der „Learningsnack“, ein Lernangebot der Verbraucherzentralen.
Zudem können auch verlässliche Siegel, wie zum Beispiel das Fair Trade Siegel, Wegweiser für einen nachhaltigen Konsum sein.
Doch auch in diesem Bereich sollten Verbraucherinnen und Verbraucher wachsam sein. In Deutschland existiert ein regelrechter Wald an Siegeln, die nicht alle gleich valide sind. Bei der Einordnung kann die Initiative Siegelklarheit unter www.siegelklarheit.de der Verbraucherzentrale NRW helfen, die Nachhaltigkeitssiegel zeigt, denen Konsumenten vertrauen können.
Die Rolle des Konsums
Dem Konsum entkommen wir nicht. Er zieht sich wie ein roter Faden durch den Alltag von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Gebraucht und verbraucht werden Waren und Dienstleistungen z. B. beim Essen und Trinken, beim Wohnen, beim Reisen und beim Kauf von Kleidung. Jedes angebotene Produkt und jede Dienstleistung hat eine "Vor-Geschichte" und eine "nachgelagerte Wirkung". Dieser Lebenszyklus wird bei einem nachhaltigen Konsum berücksichtigt. Nachhaltiger Konsum ist dabei Teil einer nachhaltigen Lebensweise und eines nachhaltigen Verbraucherverhaltens, das unter anderem Umweltaspekte und soziale Aspekte bei Kauf und Nutzung von Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt. Nachhaltiger Konsum betrifft dabei auch das Nutzungsverhalten und Entsorgungsverhalten von Ressourcen im Alltag.
Nachhaltiger Konsum bedeutet vor allem aber auch: bewusster Konsum. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten ihren Konsum reflektieren und die eigene "Gesamtbilanz" im Auge behalten.
Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt unterstützen dies mit zahlreichen Informationsangeboten:
Die Bundesregierung verfolgt ferner mit dem Nationalen Programm für Nachhaltigen Konsum eine langfristige Strategie zur Förderung nachhaltiger Lebens- und Konsumweisen in Deutschland. Das Programm wurde erstmals im Jahr 2016 beschlossen und 2021 umfassend weiterentwickelt. Es bildet weiterhin einen zentralen politischen Rahmen für Maßnahmen zur Förderung nachhaltigen Konsumverhaltens.
Teil dieses Programmes ist auch eine aktive Bürgerbeteiligung bei allen Fragen zum nachhaltigen Konsum.
Um sich mit dem eigenen Konsumverhalten auseinanderzusetzen, können Verbraucherinnen und Verbraucher auch die ökologischen Umweltwirkungen eines Produktes über eine Ökobilanz anschauen und überprüfen. Mit dieser Methode werden die Umweltauswirkungen des Produktes von der Herstellung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung berechnet. Diese Zahlenwerte spiegeln sich zum Beispiel in den sogenannten CO2-Äquivalenten wider, wie sie in CO2-Rechnern angewendet werden.
Immer wichtiger für die Verbraucherinnen und Verbraucher ist auch die Produktion von Waren unter Einhaltung sozialer Standards vor Ort. Neben dem Fair Trade-Siegel bieten Vereine, Institutionen und sogenannte Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Verbraucherinnen und Verbrauchern Unterstützung zum nachhaltigeren Konsumieren:
Das „Recht auf Reparatur“ kommt
Auch neue gesetzliche Bestimmungen sollen dazu beitragen, dass die Kreislaufwirtschaft gefördert und vermehrt nachhaltig konsumiert wird. Verbraucherinnen und Verbraucher bekommen ein neues Recht auf Reparatur. Es wird zunächst für bestimmte Geräte wie zum Beispiel Waschmaschinen, Kühlgeräte und Mobiltelefone gelten.
Hersteller werden künftig verpflichtet sein, diese Produkte auch außerhalb der gesetzlichen Gewährleistung unentgeltlich oder zu einem angemessenen Preis zu reparieren. Dies gilt jedenfalls solange und soweit der Hersteller die Reparierbarkeit dieser Waren nach EU-Recht gewährleisten muss. Die im Jahr 2024 vom Europäische Parlament und dem Rat der Europäischen Union verabschiedete Richtlinie zur Förderung der Reparatur von Waren (Richtlinie (EU) 2024/1799) muss bis zum 31. Juli 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Das Gesetzgebungsverfahren läuft bereits. Die Umsetzung der Richtlinie trägt entschieden dazu bei, dass Verbraucherinnen und Verbraucher dazu angeregt und es ihnen erleichtert wird, sich im Sinne der Nachhaltigkeit für eine Reparatur zu entscheiden, statt an sich noch brauchbare Waren direkt zu entsorgen.
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