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Fake-Bewertungen
  • 02.12.2020

Nutzerbewertungen im Internet – gekaufter Betrug oder wertvolle Erfahrungen?

Bewertungssterne auf einem Tablet-Computer​
Hand mit Tabletcomputer, auf dem 5 Bewertungssterne zu sehen sind. Auf dem Tisch Kaffeetasse und Brille.

Laut Umfragen orientieren sich weit mehr als die Hälfte der Kunden beim Einkauf im Internet an den Bewertungen von Leistungen oder Produkten durch andere Nutzer. Abgesehen vom Preis bilden diese Bewertungen ein entscheidendes Kriterium. Doch oft trügt der schöne Schein der Bewertungssterne. Gefälschte Bewertungen sind leider sehr häufig im Internet zu finden. Windige Geschäftemacher und professionelle Anbieter von Fake-Bewertungen wollen Online-Käufer gezielt beeinflussen und mischen sich vehement unter die echten Bewertungen, um den Profit zu steigern.

Gekaufte Bewertungen – was steckt dahinter?

Die Rechnung ist denkbar einfach: Mehr positive Bewertungen bringen mehr Verkäufe für die Anbieter von Produkten oder Leistungen. Mittlerweile verkaufen professionelle Firmen für geringes Geld eine große Anzahl Fake-Bewertungen an Online-Händler und Portalbetreiber. Legal ist das in Deutschland zwar nicht, aber da die Firmen ihren Sitz meist in Übersee haben, sind diese Geschäftemacher kaum zu belangen und Gerichtsurteile schwierig zu vollstrecken. Eine andere Masche verfolgen Agenturen, die Produkttester bezahlen. Diese müssen zunächst ein Produkt erwerben, testen und für gut oder sehr gut bewerten, um an ihr Geld zu kommen. Diese Tests sind ebenso wertlos wie Rezensionen, die für eine Belohnung abgegeben werden, z. B. wenn der Tester das Produkt am Ende behalten darf. Eindeutig unzulässig ist außerdem Werbung mit Bewertungen auf Social-Media-Plattformen, wenn diese als Gegenleistung für die Teilnahme an einem Gewinnspiel abgegeben wird. Eine unabhängige Bewertung ist durch den Anreiz der Teilnahme eines Gewinnspiels kaum zu erwarten.

Sogar Bewertungen, die mit einem Zusatz als verifizierte Käufe gekennzeichnet sind, bei denen der Händler also die Echtheit geprüft hat, können theoretisch gefälscht sein. Auch Portalbetreiber, die die Seriosität von Bewertungen mithilfe eines Algorithmus‘ überprüfen lassen, können irren. Am ehesten können etablierte, seriös arbeitende Testorganisationen, die ihre Bewertungskriterien offenlegen, und Institutionen der Verbraucherberatung zur Entscheidungsfindung beim Einkauf beitragen.

Tipps zur Nutzung von Kundenbewertungen im Internet

Idealerweise informieren sich Verbraucher auf mehreren Portalen. Bewertungen sollten sie stets kritisch hinterfragen, nicht blind vertrauen, sondern genau prüfen.
Wertvolle Hinweise auf unseriöse Bewertungen können sein:

  • Besonders viele Rezensionen innerhalb einer kurzen Zeit können auf Betrug hindeuten.
  • Berichte von Nutzern, die ein Produkt schon länger ihr Eigen nennen, sind generell vertrauenswürdiger als Urteile unmittelbar nach Kauf oder Markteinführung.
  • Übertrieben positiven, blumigen und womöglich sehr langen, eher nach Werbetext klingenden Formulierungen, sollte misstraut werden: Üblicherweise halten sich Nutzer beispielsweise bei der Bewertung von Hotels kurz und knapp.
  • Auch negative Rezensionen mit Empfehlung von Konkurrenzprodukten sollten stutzig machen.
  • Die Namen der Rezensenten können nur einen kleinen Baustein zur Prüfung auf Seriosität bilden: Pseudonyme wie Werner71 klingen zumindest realer, als offensichtlich erfundene Namen wie etwa Karl Käufer. Sinnvoll kann es sein, nach weiteren Bewertungen eines einzelnen Nutzers zu suchen. Wer sehr häufig Produkte oder gar oft dieselben Produkte bewertet oder eigenartige Bewertungsmuster aufweist, sollte nicht ernst genommen werden.
  • Überdies kann das Gesamtbild der vergebenen Sterne Hinweise geben, ob getrickst wird. Zu viele Fünf-Sterne-Bewertungen neben wenigen Ein-Stern-Bewertungen wirken verdächtig.
  • Auch Produkte mit wenigen Bewertungen können gut sein. Sicherer ist es, mehrere Bewertungen zu lesen. Bei besonders vielen ähnlichen Bewertungen kann es helfen, zunächst gezielt die schlechten zu lesen und für sich zu entscheiden, ob diese relevant sind.
  • Generell sollten Verbraucher darauf achten, wofür die Bewertung vergeben wurde und ob das für ihre Kaufentscheidung überhaupt relevant ist. So sind etwa ein oder fünf Sterne für die langsame oder schnelle Lieferung einer Ware wertlos im Hinblick auf die Qualität der Ware.

Weitere Informationen

Irreführung von Verbrauchern wirksam begegnen; Stellungnahme Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv) vom September 2020

Gefälschte und manipulierte Nutzerbewertungen beim Online-Kauf - Bundeskartellamt zeigt Hintergründe und Lösungsansätze; Oktober 2020

 
Gekaufte Bewertungen im Internet verbieten; Stellungnahme der Verbraucherkommission Baden-Württemberg vom Januar 2020

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