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Nachlass im Todesfall
  • 17.03.2016

Verbraucherschutz im Todesfall – rechtzeitig vorsorgen

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Am Ende des Lebens steht unausweichlich der Tod. Doch wer beschäftigt sich schon gerne mit dem Ableben? Wenn jedoch nahe Angehörige sterben, sieht man sich in seiner Trauer plötzlich mit der Organisation der Beerdigung und der Regelung des Nachlasses der oder des Verstorbenen konfrontiert. Hier sollte einiges beachtet werden - auch im Hinblick auf die digitale Welt.

Organisation der Bestattung– Angebote vergleichen

Nach dem Tod von Angehörigen müssen Verbraucherinnen und Verbraucher oft vieles regeln und schnell Entscheidungen treffen, vor allem bei der Organisation der Beerdigung.

Bei Bestattungen fallen zum einen Gebühren für notwendige Leistungen rund um die Beisetzung an. Diese Gebühren sowie beispielsweise Vorgaben zur Größe des Grabes, zur Ruhezeit oder zur Grabpflege werden von der zuständigen Friedhofsverwaltung festgelegt und können dort erfragt werden.
Zum anderen können optionale Leistungen im Rahmen eines Vertrages mit dem Bestattungsunternehmen vereinbart werden, wie zum Beispiel ein Blumenarrangement. Bei diesen Verträgen gelten grundsätzlich die Bestimmungen eines üblichen Dienstleistungs-, Kauf- oder Werkvertrages. Um zu verhindern, dass sich Hinterbliebene durch eine zu teure Bestattung der oder des Verstorbenen finanziell übernehmen und dadurch in eine finanzielle Schieflage geraten, ist es ratsam, sich Angebote von verschiedenen Bestattungsunternehmen einzuholen und diese zu vergleichen. Dabei ist es empfehlenswert, diese Angebote schriftlich und verbindlich einzuholen.

Damit nach der Beerdigung keine unerwarteten weiteren Kosten in Rechnung gestellt werden, sollten sich Verbraucherinnen und Verbraucher vergewissern, dass alle gewünschten und notwendigen Leistungen bereits im Angebot des Bestattungsunternehmers erfasst sind. Dies kann beispielsweise mit folgenden Fragen geklärt werden:

  • Enthält das Angebot das gewünschte Blumenarrangement, die vereinbarte Abfolge der Trauerfeier und die ausgewählte Orgelmusik?
  • Sind alle notwendigen behördlichen Gebühren erfasst oder müssen diese noch separat in Auftrag gegeben und bezahlt werden?
  • Kommen sonstige Kosten hinzu?

Hinterbliebene sollten vor allem bei vermeintlich günstigen Bestattungsangeboten prüfen, ob diese die notwendigen und gewünschten Leistungen beinhalten und eine würdevolle Bestattung ermöglichen.

Verbraucherinnen und Verbraucher können natürlich auch schon zu Lebzeiten vorsorgen und so ihre Angehörigen im Hinblick auf den eintretenden Todesfall entlasten, indem sie bereits frühzeitig Wünsche für ihre eigene Bestattung formulieren oder diese gegebenenfalls sogar schon mit einem Bestattungsunternehmen ihres Vertrauens und ihrer Wahl regeln.

Digitaler Nachlass – frühzeitig regeln

Auch beim sogenannten digitalen Nachlass von Verstorbenen beschäftigen Angehörige Fragen wie: Welche E-Mail-Konten oder Online-Zugänge zu Strom- und Telefonverträgen hatte die oder der Verstorbene und was passiert damit? Was geschieht mit Profilen in sozialen Netzwerken, möglichen Blogs oder Homepages?

Wenn Erben auf die Inhalte der Konten von Verstorbenen zugreifen möchten, benötigen sie je nach Anbieter verschiedene Nachweise und Urkunden, zum Beispiel eine Sterbeurkunde, eine Todesanzeige oder einen Erbschein. Die rechtliche Lage ist beim digitalen Nachlass komplex. Nach den geltenden allgemeinen Rechtsvorschriften in Deutschland würden Erben den Zugang zu den Online-Konten der oder des Verstorbenen bekommen. Demzufolge würden nicht nur die Konten, sondern auch deren Inhalte vererbt. Gleichzeitig gilt aber das sogenannte postmortale Persönlichkeitsrecht, welches besagt, dass die oder der Verstorbene noch Rechte über den Tod hinaus hat und nicht herabgewürdigt oder bloßgestellt werden darf. Hinzu kommt, dass über die Online-Konten oft auch mit Dritten kommuniziert wurde – auch deren Daten sind geschützt. Darüber hinaus sind Betreiber von vielen Internetdiensten nicht in Deutschland ansässig und richten sich deshalb nach ausländischem Recht.

Vor diesem Hintergrund kann es für Hinterbliebene schwierig sein, von den Betreibern der jeweiligen Internetangebote Zugang zu den Online-Konten gewährt zu bekommen. Häufig bleibt nur die Möglichkeit, das Konto löschen zu lassen.

Beim digitalen Nachlass werden neben den Rechten auch Pflichten der Verstorbenen oder des Verstorbenen vererbt. So müssen beispielsweise online abgeschlossene und fortbestehende Verträge wie kostenpflichtige Mitgliedschaften weiter bezahlt oder gekündigt werden. Auch Online-Käufe, die von Verstorbenen vor ihrem Tod getätigt wurden, müssen von den Erben bezahlt werden, sofern ein Widerruf nicht möglich ist und der Verkäufer keine anderweitige Lösung akzeptiert.

Da der digitale Nachlass für Angehörige derzeit nicht leicht zu regeln ist, sollten sich Verbraucherinnen und Verbraucher schon zu Lebzeiten Gedanken darüber machen. Wichtig ist beispielsweise zu klären, was nach dem Tod mit den Daten und Online-Konten passieren und wer sich um diese kümmern soll. Konten und Profile können in sozialen Netzwerken zum Beispiel in einen Gedenkzustand verwandelt werden, so dass die oder der Verstorbene im Netz „weiterlebt“. Oder sollen die Konten und Profile ganz gelöscht oder von Hinterbliebenen weitergenutzt werden?

Um den digitalen Nachlass regeln zu können, ist es notwendig, eine oder mehrere Personen des Vertrauens einzuweihen, wo die Passwörter für die Konten und Profile abgelegt sind oder eine Regelung im Testament zu treffen. Passwörter können auf eine Liste geschrieben und an einem sicheren Ort verwahrt werden – beispielsweise in einem Safe oder einem Bankschließfach. Eine andere Möglichkeit ist es, einen sogenannten Passwortmanager zu nutzen. Dabei handelt es sich um Programme für den Rechner oder um Online-Dienste, in denen sich Passwörter verschlüsselt abspeichern lassen. Der Passwortmanager wird mit einem Hauptpasswort geschützt. Wer sich für diese Variante entscheidet, gibt den Hinterbliebenen lediglich ein Masterpasswort, mit dem auf die gespeicherten Passwörter zugegriffen werden kann. Passwörter können auch auf einem verschlüsselten USB-Stick gespeichert werden, der sicher verwahrt wird.

Wenn zu Lebzeiten wenig oder nichts geregelt wird, dann sind nach dem Tod oft IT-Expertinnen oder Experten gefragt, die die Online-Konten kostenpflichtig aufspüren müssen.

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