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Mobilität
  • 20.04.2017

Automatisiertes Fahren – Was bringt die Zukunft?

Autofahrer im automatisierten Fahrmodus unterwegs

Die Nutzung von Fahr-Assistenten, wie dem Anti-Blockier-System, dem Tempomat oder der Einparkhilfe ist in modernen Kraftfahrzeugen bereits üblich. Für die Zukunft kündigt die Autoindustrie an, dass der Automatisierungsgrad noch steigen und der Einsatz von teil- oder hochautomatisierten Assistenzsystemen im Straßenverkehr weiter zunehmen wird. Langfristig soll die Entwicklung sogar bis hin zum fahrerlosen Fahren führen. Wie diese Zukunftsvision genau aussehen wird, ist jedoch noch offen.

Verschiedene Stufen des Automatisierten Fahrens​

Sowohl in alltäglichen als auch in speziellen Situationen im Straßenverkehr soll zukünftig vermehrt der Computer am Steuer sitzen. Dies soll im Erfolgsfall die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen und die Zahl der Unfälle und Staus minimieren. Dabei wird abgesehen von jederzeit funktionierenden Sensoren auch die Vernetzung der Systeme von Fahrzeugen untereinander sowie mit der Infrastruktur auf der Straße eine größer werdende Rolle spielen. Das automatisierte und vernetzte Fahren wird in der Öffentlichkeit immer mehr an Bedeutung gewinnen.

In der öffentlichen Diskussion oder in der Presse werden die Begriffe „automatisiertes“ und „autonomes“ Fahren oft vermischt. Beim automatisierten Fahren können Fahrerinnen und Fahrer immer noch die Assistenzsysteme deaktivieren und übersteuern. Wenn die Systeme ihre Grenzen erkennen, müssen Fahrerinnen und Fahrer eingreifen können. Beim autonomen Fahren hingegen soll ein Roboterauto eigenständig die Beförderung von Passagieren vornehmen. In diesem Fall gäbe es nur noch Fahrgäste, die nicht mehr aktiv eingreifen können.

Um die Automatisierungsgrade der einzelnen Systeme zu unterscheiden, wurden international sechs Stufen festgelegt und vom Verband der Automobilindustrie (VDA) veröffentlicht. Die Stufen reichen von Stufe 0 ohne automatisierte Fahrfunktionen bis hin zu Stufe 5, dem autonomen Fahren. Dazwischen liegen die Stufen der unterschiedlichen Automatisierung, bei denen Systeme den Fahrerinnen und Fahrern in vielfältiger Art und Weise assistieren und die Führung des Fahrzeugs in bestimmten Situationen oder auch dauerhaft übernehmen:

  • Stufe 1: assistiertes Fahren
  • Stufe 2: teilautomatisiertes Fahren
  • Stufe 3: hochautomatisiertes Fahren
  • Stufe 4: vollautomatisiertes Fahren

Eine Übernahme der Steuerung durch Fahrerinnen und Fahrer ist bei den Stufen 1 bis 4 aber jederzeit möglich und in bestimmten Situationen auch notwendig.

Wichtige Regelungen für Verbraucher

Wenn Fahrer Aufgaben im Fahrzeug an automatisierte Systeme abgeben, muss dies auf einer sicheren Rechtsgrundlage beruhen. Dies betrifft insbesondere die Stufen 3 und 4, da dem Fahrer hier gestattet ist, sich von den Fahraufgaben abzuwenden, um etwa E-Mails zu checken. In solchen Situationen muss es aus Verbrauchersicht insbesondere für Fahrer und Halter, aber auch für Hersteller und Versicherer, unter anderem Klarheit darüber geben, wie viel Aufmerksamkeit der Fahrer der Verkehrssituation und seinem Fahrzeug noch schenken muss, wann er die Steuerung wieder komplett zu übernehmen hat und wer für Unfallschäden einzustehen hat, die bei einer automatisierten Fahrt verursacht werden.
 
Dazu beschloss die Bundesregierung Ende März 2017 das Gesetz zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes, das erste Regelungen zum Umgang mit Haftungsfragen, Versicherungs-Schadenssummen, zur Datensicherheit von persönlichen Daten und zum Zusammenspiel von Fahrer und System bei der Nutzung von automatisierten Assistenzsystemen enthält. Aus Sicht von Verbraucherschützern und teilweise auch Automobilverbänden lässt dieses Gesetz aber noch einige Fragen in Bezug auf Haftung und Datensicherheit offen.
 
Ein Beispiel aus dem Gesetz: Den Nutzerinnen und Nutzern von hoch- und vollautomatisierten Systemen erlaubt das Gesetz zukünftig, sich bei bestimmungsgemäßer Nutzung des Systems vom Verkehr zeitweise abzuwenden, wenn sie wahrnehmungsbereit bleiben und jederzeit in der Lage sind, die Steuerung nach einer Aufforderung des Systems mit ausreichender Zeitreserve wieder zu übernehmen.
 
Kommt es trotz aller Vorkehrungen zum Unfall, soll ein Datenschreiber bei der Beantwortung der Frage helfen, wer das Fahrzeug – Mensch oder Computer – zu welchem Zeitpunkt gesteuert hat. Auch wenn im Falle eines Unfalles die Haftung erst aufgrund der Auswertung des Datenschreibers zwischen Versicherung und Hersteller geklärt werden muss – die wichtige Nachricht ist, dass der Versicherungsschutz des Fahrzeugführers oder des Halters in jedem Fall greift. Das Gesetz sieht bei Unfällen, die durch ein System verursacht wurden, aus Gründen des Opferschutzes sogar eine Verdopplung der Haftungshöchstbeträge vor. Dies wird allerdings von Verbraucherschützern, die deshalb in Zukunft eine Erhöhung der Prämien und Mehrkosten für Verbraucher befürchten, kritisch gesehen. Ebenso halten Verbraucherschützer die bisherigen Regelungen zur Sicherheit der persönlichen Daten, die beim Fahren erzeugt werden, für nicht ausreichend. Auch wenn noch viele rechtliche Detailfragen dieser neuen Regelung ungeklärt bleiben, so bildet das Gesetz jedenfalls einen wichtigen Schritt zum weiteren Ausbau automatisierter Fahrassistenzsysteme.

Weitere Informationen

Regeln für automatisiertes Fahren; Bericht über die Verabschiedung des Gesetzes auf den Seiten des Deutschen Bundestages vom 3. April 2017
 
Bundesrat sieht Änderungsbedarf; Unterrichtung des Deutschen Bundestags vom 22. März 2017
 
Regierungsentwurf für automatisiertes Fahren findet Zustimmung; Bericht von der Experten-Anhörung im Deutschen Bundestag vom 20. März 2017

Gesetz zum automatisierten Fahren verabschiedet: Weiterhin zu wenig Rechtssicherheit für Verbraucher; Pressemitteilung des Verbraucherzentrale Bundesverbands e. V. vom 30. März 2017

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