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Nachhaltigkeit
  • 05.08.2015

Nachhaltige Geldanlagen

Keimlinge wachsen auf Münzen

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher möchten durch ihre Geldanlagen neben der persönlichen Rendite auch einen zusätzlichen Mehrwert für andere Menschen oder Natur und Umwelt schaffen. Bisher wurden solche Finanzanlagenprodukte vor allem durch soziale oder kirchliche Banken und Institutionen angeboten, die sich auf ethisches Investment spezialisiert haben. Mit der Nachfrage stieg in den letzten Jahren auch das Angebot. Nachhaltiges Investment begegnet uns immer öfter. Inzwischen gibt es fast jede Anlageform auch in "grün" im Portfolio diverser, nicht auf Nachhaltigkeit spezialisierter, Finanzdienstleister – doch wann ist eine „grüne“ Geldanlage wirklich nachhaltig und wie erkenne ich sie? 

Was ist nachhaltig?

Bei den nachhaltigen Geldanlagen werden die klassischen Anlagekriterien wie Rentabilität, Sicherheit und Liquidität um soziale, ökologische und/ oder ethische Aspekte erweitert. Was unter einer nachhaltigen Geldanlage zu verstehen ist, kann derzeit jeder Anbieter selbst definieren und kennzeichnen. Dabei werden - mehr oder weniger transparent für die Verbraucherinnen und Verbraucher - anbietereigene Kriterien angesetzt. Bis heute gibt es keinen gesetzlich definierten Mindeststandard, der anhand eines verbindlichen Kriterienkataloges einen konkreten Rahmen schaffen könnte, wann eine Geldanlage als nachhaltig bezeichnet werden darf. Das bedeutet im Umkehrschluss für die Anleger, dass sie ein bezüglich der Nachhaltigkeitswirkung diffuses, kaum nachvollziehbares und vergleichbares Bild bei den nachhaltigen Geldanlagen vorfinden. 

Wie wird bewertet?

Da es keine gesetzlichen Vorgaben gibt, wann sich eine Geldanlage nachhaltig nennen darf, sind die Verbraucher selbst gefordert, näher hinzuschauen. Bewerten können Sie dabei jedoch nur die Informationen, die Ihnen zugänglich und verständlich sind. Es gibt verschiedene Methoden, mit denen beispielsweise Ratingagenturen die Wertigkeit der auf dem Markt befindlichen Anlagen berechnen. Beim sogenannten "Scoring" werden verschiedene Kriterien miteinander verrechnet. So können Defizite in einem Nachhaltigkeitsbereich durch positive Bewertungen bei anderen Nachhaltigkeitskriterien ausgeglichen werden. Andere Anbieter arbeiten mit Schwellenwerten (wie "unter 5 Prozent Kinderarbeit"), um ein Produkt als nachhaltig zu kennzeichnen. Oder es wird das jeweils beste Unternehmen einer Branche als nachhaltig kategorisiert (sog. "best in class"-Ansatz). Hier stellt sich die Frage, ob bestimmte Branchen überhaupt als nachhaltig eingestuft werden können. Private Investoren haben jedenfalls wenig Möglichkeiten, bei diesen Ansätzen die jeweils verwendeten Aggregats- und Verrechnungsstufen nachzuvollziehen. 

Muss das so sein?

Das baden-württembergische Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) vertritt die Auffassung, dass Verbraucherinnen und Verbraucher grundsätzlich transparente, verlässliche und vor allem gut verständliche Informationen über die klassischen Anlagekriterien für eine fundierte und für sie sinnvolle Geldanlageentscheidung brauchen. Dieser Anspruch muss selbstverständlich auch bezüglich der Nachhaltigkeitskriterien gelten. Dies bedeutet, dass ein Finanzanlagenprodukt nur dann als nachhaltig bezeichnet werden könnte, wenn es einen bestimmten, gesetzlich geregelten Kriterienkatalog (Mindeststandard) vollumfänglich erfüllt. Durch diese überprüfbare Mindestqualität würden das Vertrauen und die Akzeptanz in gesellschaftlich wertvolle Anlageprodukte dauerhaft gefördert werden. Anbieter könnten diese Produkte mit einem einheitlichen nachhaltigen Gütesigel kennzeichnen und damit für die Verbraucher noch besser erkennbar machen.

Das Hauptanliegen Baden-Württembergs ist dabei,

  • einen verbindlichen Katalog festzulegen mit ausgewählten, klar formulierten Kriterien, 
    • die nicht variabel von den Anbietern, sondern durch einen demokratischen Willensbildungsprozess gesetzlich festgelegt sind,
    • die Ge- oder Verbotscharakter haben, 
    • die nicht untereinander verrechnet werden können und
    • die nur in die Wertung kommen, wenn sie komplett erfüllt sind.
  • ein Geldanlageprodukt nur dann als nachhaltig ausgewiesen werden kann, wenn alle Kriterien berücksichtigt wurden. 
  • einen gesetzlicher Mindeststandard für alle Anlageprodukte zu schaffen (Sparanlagen, Aktien, Anleihen, Altersvorsorgeprodukte, Lebensversicherungen, Fonds, Festgelder, etc.).
  • den Verbraucherinnen und Verbrauchern eine möglichst hohe Flexibilität bei der Produktauswahl zu bieten. 
  • eine unabhängige Stelle zu schaffen, die Zertifizierung und Vergabe eines Gütesiegels übernimmt.

Verbraucherminister der Länder sehen Verbesserungsbedarf

Bereits 2012 hat auf der Konferenz der Verbraucherschutzminister der Länder und des Bundes (VSMK) ein Beschlussvorschlag von Baden-Württemberg breite Unterstützung erhalten, in dem der Bund gebeten wurde, sich für einen gesetzlichen Mindeststandard und ein Gütesiegel für nachhaltige Geldanlagen einzusetzen. Einer vom MLR 2013 in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Studie sind hierzu konkrete Ansätze und Vorschläge zu entnehmen, wie das Anliegen umgesetzt werden könnte. Die Ergebnisse der Studie wurden 2013 im Rahmen eines Runden Tisches und in Kooperation mit dem Forschungszentrum "Verbraucher, Markt und Politik" von der Zeppelinuniversität Friedrichshafen mit Vertretern aus Finanzwirtschaft, Wissenschaft und Verbraucherorganisationen diskutiert und weiterentwickelt. Auf der VSMK 2014 konnte Baden-Württemberg mit dem Einbringen der modifizierten Studie einen weiteren Impuls auf Bundesebene setzen. 

Grüne Geldanlagen im Grauen Kapitalmarktbereich

Unabhängig von der Nachhaltigkeit einer Geldanlage ist immer deren Rendite-Risiko-Verhältnis zu prüfen. 
Genussscheine als Anlageform, wie sie beispielsweise im Bereich der erneuerbaren Energien von den Unternehmen selbst und nicht von den Banken gehandelt werden, unterliegen nicht der gesetzlichen Einlagensicherung der Banken. Im Ernstfall kommt es hier zu einem Totalverlust. Mehr Informationen auch in der Verbraucherbroschüre "Grauer Kapitalmarkt" der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

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